Teilnehmer der Pressekonferenz von links: Dr. Philipp Schramek, Dr. Kai Zosseder, Dr. Karin Thelen, Linus Diergarten, Christian Nolte - © SWM

Start der GIGA-M Seismik-Messkampagne für die Zukunft der Geothermie

Die Wärmewende spielt eine entscheidende Rolle beim Klimaschutz, denn mehr als 50 Prozent der gesamten Energie, die in Deutschland verbraucht wird, fließt in die Wärmeversorgung. Studien belegen, dass die Nutzung von Geothermie maßgeblich zum Gelingen der Wärmewende beitragen kann. Diese CO2-freie und regionale Energiequelle entlastet nicht nur das Klima, sie macht auch unabhängiger von Lieferketten und unsicheren Drittländern. Um die Erdwärmenutzung im Großraum München voranzubringen, haben sich Kommunen, Wissenschaftseinrichtungen, Energieversorger und weitere Partner im Projekt GIGA-M (Großräumige Integrierte Gesamt-Analyse des tiefengeothermischen Potentials und seiner synergetischen Nutzung im Großraum München) zusammengetan.

Im Rahmen des Forschungsprojekts startet in Kürze im Großraum München die bislang umfassendste seismische Untersuchung zur Erkundung von Geothermiepotenzialen in Deutschland. Ziel ist es, erstmals ein durchgängiges dreidimensionales Bild des tiefen Untergrunds zu erstellen und damit die Grundlage für den weiteren Ausbau einer klimafreundlichen Wärmeversorgung in der Region zu schaffen.

Blick in mehrere Kilometer Tiefe

Für die Messungen werden sogenannte Vibrotrucks eingesetzt. Diese Spezialfahrzeuge erzeugen kontrollierte Schwingungen, die in den Untergrund geleitet werden. Die von den Gesteinsschichten reflektierten Signale werden anschließend von tausenden kleinen Messgeräten – sogenannten Geophonen – aufgezeichnet. Aus der Auswertung entsteht ein hochauflösendes dreidimensionales Modell des Untergrunds, vergleichbar mit einem Ultraschallbild der Erde.

Geringe Auswirkungen vor Ort

An jedem Standort dauern die Arbeiten lediglich wenige Minuten. Für Anwohnerinnen und Anwohner sind die Messungen meist nur als leichtes Vibrieren wahrnehmbar – vergleichbar mit einem vorbeifahrenden Zug oder einem Schwertransport.

Die entstehenden Schwingungen liegen innerhalb definierter Sicherheitsgrenzwerte und werden kontinuierlich überwacht. Zusätzlich begleiten Fachkräfte die Arbeiten vor Ort, kontrollieren die Einhaltung aller Vorgaben und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch bestehende Infrastruktur wie Gebäude und Leitungen wird in die Planungen und Überwachungsmaßnahmen einbezogen.

Alles zum Fortschritt der Messkampagne auf www.giga-m.de/seismik

Grundlage für das Gelingen der Wärmewende

Die neuen Daten sollen helfen, Geothermieprojekte künftig effizienter, sicherer und koordinierter zu planen. Der Untergrund im Großraum München ist eine gemeinsame Ressource. Daher ist ein umfassendes Verständnis der geologischen Verhältnisse entscheidend, um das große geothermische Potenzial der Region langfristig und nachhaltig nutzen zu können. GIGA-M bringt dafür Kommunen, Wissenschaftseinrichtungen, Energieversorger und weitere Partner zusammen. Das Projekt soll die fachlichen und planerischen Grundlagen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung schaffen und den Ausbau der Tiefengeothermie in München und der Region unterstützen. Die nun beginnende Seismik-Messkampagne bildet dabei einen entscheidenden Meilenstein.

Geothermie: Die regionale Superkraft

Im Großraum München sind die geologischen Voraussetzungen für die Nutzung der Erdwärme optimal. Die geothermische Energiequelle ist heißes Thermalwasser aus gut durchlässigen Kalksteinschichten, dem Malm. In einer Tiefe von 2.000 bis über 3.000 Metern hat das Wasser 65 Grad Celsius im Raum Erding, bis 140 Grad Celsius in Sauerlach. Um es zum Heizen zu nutzen, wird es an die Oberfläche gepumpt und über Wärmetauscher geleitet, wobei ihm die Energie entzogen wird. Abgekühlt wird es wieder in die Tiefe zurückgeführt – ein Kreislauf ohne Eingriff ins Ökosystem.

Derzeit wird das Thermalwasserreservoir im Großraum München bereits durch rund 50 Bohrungen mit einer thermischen Gesamtleistung von etwa 400 MW genutzt. Das noch verbleibende Potenzial wird auf mehr als 1.000 MW geschätzt.

Hier gilt es, belastbare Daten für eine verlässliche Planung zu gewinnen. Mittels einer großflächigen 3D-Seismik-Messkampagne sollen bisherige Datenlücken geschlossen und vorhandene Untersuchungen zu einem zusammenhängenden Gesamtbild ergänzt werden. Mit Hilfe der gewonnenen Daten wird das Projekt ein Modell entwickeln, das geo-logische Strukturen, wasserführende Gesteinsschichten und mögliche Standorte für zu-künftige Geothermiebohrungen deutlich präziser identifizieren kann.

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